Praxisleitfaden Endodontie

“Lücken schließen” wollen die Autoren Bargholz, Hör und Zirkel mit Ihrem Praxisleitfaden Endodontie, der gerade bei Elsevier erschienen ist. Gemeint ist wohl die Lücke zwischen dem normalerweise beim Erscheinen bereits veralteten Lehrbuch, in welchem in der typischen ausufernden Manier allzu viele Hinweise gegeben werden welche in der Praxis wenig relevant sind, und der periodisch publizierten Fachzeitschrift, in der auch kurzfristigste Trends abgearbeitet werden und teilweise für Verwirrung sorgen. Und diese Rechnung der Autoren geht auf. Ausgehend von den vitalerhaltenden Maßnahmen, die das erste Kapitel füllen bis hin zum Bleichen, Kapitel 22, wird auf rund 416 Seiten zu Allem und Jedem rund um die Endodontie Rede und Antwort gestanden. Und zwar aus Sicht des in der Praxis arbeitenden Zahnarztes. Jedes Kapitel endet mit einer Literaturübersicht, teilweise sind recht viele Arbeiten aufgeführt. Eine hervorragende Übersicht innerhalb der Kapitel wird durch das Hervorheben von besonderen wichtigen Inhalten mit einprägsamen Symbolen erzielt: das sind zum einen substanzielle facts (Ausrufezeichen), weiter beachtenswerte Hinweise (Blitz) und schließlich besondere Gefahrensituationen (Bombe). Der Praxisleitfaden macht auf Anhieb einen umfassenden Eindruck, der beim näheren Hinsehen freilich kleinere Risse aufweist. So wird beispielsweise viel Energie darauf verwendet, jeden einzelnen auf dem Dentalmarkt verfügbaren drehmomentbegrenzten Aufbereitungs-Motor darzustellen. Wichtiger wäre stattdessen eine Erklärung gewesen, warum neben der Drehmomentsteuerung die Bereitstellung einer konstanten Umdrehungszahl ebenfalls von fundamentaler Bedeutung ist. Der Leitfaden ist geeignet für alle Zahnärzte, die sich intensiver mit endodontischen Themen auseinander setzen wollen. Ob ein taugliches Spülprotokoll oder eine Anleitung zur Insertion eines Glasfaserstiftes, die praktischen Hinweise sind “up to date” und mit vielen Bildern gut aufgearbeitet. Kostet 59,95€, kaufenswert.

1 Kommentar

[...] Zähne junger Patienten mit weit offenen Apices (Pfeil im Bild oben) zu behandeln ist nicht ganz einfach. Die Ausgangssituation war ein ordentlich gelöcherter oberer Backenzahn, das Alter der Patientin: ganze 11 Jahre. Das Wurzelwachstum ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen – also, wie die Wurzel füllen, wenn sie noch gar nicht vollständig ist? Mit Calciumhydroxid und viel Zeit geht das. Das Calciumhydroxid ist ein echter Tausendsassa: es hat eine antimikrobielle Wirkung, es löst Gewebe auf, hemmt die Wurzelresorption und induziert “reparatorische Hartgewebsleistungen” (Dank an Hör und Beer für diesen schönen Satz). Anders gesagt: es bildet sich eine Art Wurzel, die sich füllen läßt. Genau hinschauen, man erkennt eine schwarze Linie (Pfeil Bild unten), die man Parodontalspalt nennt. Auf der einen Seite dieser Struktur ist Kieferknochen, auf der anderen Seite Zahnwurzel. Leider ziehen sich solche Behandlungen enorm in die Länge: so feiert unsere Patientin in zwei Monaten ihren 14. Geburtstag. [...]

[ 1 ]  Zahnblog » Apexifikation | 10.09.06, 16:01 Uhr

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