Atme tief und frei

Während sich die VHS gerade sechs schnittige Urlaubswochen gönnt, galt es für die Sommerzeit eine Yoga-Klasse zu finden. Und warum in die Ferne schweifen? Yoga-Lehrerin Babett hatte im Juli einen “workshop am Marienplatz” angekündigt und herausgekommen ist mein erster Auftritt in einem Yoga-Studio. Und wahrscheinlich war´s auch nicht mein letzter. Freitag-Nachmitag hatte ich mir beim örtlichen Sportartikel-Händler noch eine lange schwarze Hose besorgt und das war gut so. Denn nach Ansicht der schönen website ds Studios war klar, daß meine ollen Laufklamotten zwar für die VHS-Übungsstunden ausreichen mögen, im moveorespiro-Studio aber bestimmt zu einer gehörigen Verlegenheit des Schülers führen könnten. Diese lange Stange im Laden mit den tausend schwarzen Turnhosen war ein Wink mit dem Zaunpfahl: Der Großteil der Stuttgarter Yoga-Eleven trägt offensichtlich schwarz und zwar anscheinend getreu der Devise: je mehr desto besser.

Moveosrespiro ist in Stuttgart´s Adlerstraße gelegen, direkt um die Ecke meines Lieblingsbades, dem “Heslacher”. Eigentlich handelt es sich nur um einen großen Raum mit großen Spiegeln, einer großen Blumenvase mit großen Lilien und großen Fenstern. Das ist eigentlich nicht viel, reicht aber aus um eine stimmungsvolle Atmosphäre zu schaffen, in der die Übungen Spaß machen. Die Schlappen warten vor der Türe, der Rest verschwindet hinter einem luftigen Vorhang. So konzentriert man sich leichter auf die Stunde und ihr Mantra: “atme tief und frei.” Da ist nicht immer einfach, denn Lehrerin Babett, nach eigenen Worten dem “power” im “power-Yoga” nicht sonderlich zugeneigt, gibt einen Takt vor, bei dem sich rasch erste Anzeichen von Anstrengung auf den Gesichtern der Übenden zeigen. Auch wird im Laufe der Stunde die “eingerollte-Blatt-Quote” steigen. Dahinter steckt folgendes: wird eine Position zu anstrengend und ist nicht mehr zu halten, soll der Schüler ins “eingerollte Blatt” gehen, um zu entspannen. Das ist leichter gesagt als getan, man will ja schließlich a, nicht kneifen und ist b, neugierig, ob hinter dem Schmerz vielleicht doch tiefere Erkenntnisse über das Leben verborgen sind.

In den kommenden Tagen werde ich mir die Kursübersicht von moveorespiro nochmals vornehmen. Und mir passend zur Hose ein schwarzes Oberteil besorgen …..

3 Kommentare

hmm, wenn Yoga zum “Leistungs”sport gerät liegt wohl ein grundsätzliches Missverständnis vor. Yoga führt durchaus zu tieferen Erkenntnissen über das Leben, das Schöne ist aber, dass man dazu den Schmerz – jedenfalls den, der aus dem ‘nichtkneifenwollen’ Gehabe entsteht – nicht braucht.

Ein Yoga-Unterricht, der an die Stelle von Erkenntnis Leistung setzt und dieser Haltung Vorschub leistet ist nicht besser als ein beliebiges Fitnesstrainig. Durchaus ein Wert für sich, hat aber wenig mit Yoga zu tun.

[ 1 ]  Bernd | 17.08.07, 01:28 Uhr

[...] Ein Zahnarzt blogged über Yoga? Ok, er übt sich in Power-Yoga, bekanntermaßen nicht der Yogastil meiner ersten Wahl. Auch wenn ich mich eines schon fast bissigen Kommentares nicht enthalten konnte, ein im besten Sinne pädagogisch wertvoller Beitrag wenn man sich über Yoga informieren will. [...]

[ 2 ]  “Im Alltag leben” - Blog » Blog Archive » Rundschau über die Entspannungsszene | 17.08.07, 03:08 Uhr

Bernd, glücklicherweise stand in den ersten Stunden der Power-Yoga-Klasse weniger die Meditation im Vordergrund und mehr die Übungen – ich hätte sonst wohl bald das Yoga wieder aufgegeben. Das hat sich im Laufe des Kurses geändert. So erschließt sich das Ganze für mich sehr beschaulich…. aber deswegen nicht weniger (ent-)spannend.

[ 3 ]  Wolfgang Gerner | 18.08.07, 21:27 Uhr

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