Zyste?

Kreisrunde dunkelgraue Schatten im Bereich der Wurzelspitze (sog. “apikale Läsionen”) eines Zahnes werden schon mal als Zysten bezeichnet. Das ist nicht korrekt und hört sich eher nach Verlegenheitsdiagnose an, als nach medizinischem Sachverstand. Richtig ist daß a, die Diagnose Zyste nur nach feingeweblicher Aufarbeitung zulässig ist und deshalb b, eine Röntgenaufnahme maximal einen Verdacht auslösen kann. Da nützt es es auch nichts wenn, obwohl etwas genauer, von radikulärer Zyste gesprochen wird.

Hinter einer Aufhellung steckt in über 2/3 der Fälle ein sog. Granulom, also harmloses Entzündungsgwebe. In rund 15% der Fälle handelt es sich um eine “odontogene Zyste”, also eine von Zahngewebe ausgehende Zyste. Differenzialdiagnostisch könnte es sich dann um eine echte Zyste oder eine Taschenzyste handeln. Der fundamentale Unterschied: echte Zysten haben keine Verbindung zum Wurzelkanal des betroffenen Zahnes, Taschenzysten schon. Was die Therapie angeht tut das zunächst nichts zur Sache: Das Mittel der Wahl ist in beiden Fällen die orthograde Wurzelbehandlung. Taschenzysten heilen nach einer lege-artis Behandlung ab, echte Zysten zu einem überwiegenden Teil auch. So zumindest schreibt Nair 1998 in seiner oft zitierten Arbeit “New perspectives on radicular cysts. Do they heal?” Deshalb war das Vorgehen im gezeigten Fall durch und durch “normal”. Eröffnen des Pulpenkavums, Entfernen des abgestorbenen Gewebes und sorgfältige Desinfektion mit Chlorbleiche. Die Wurzelfüllung erfolgte in der zweiten Behandlungssitzung, der Verschluß der Krone wurde mit Kunststoff (”Composite”) durchgeführt. Das weitere Vorgehen: Abwarten und eine Kontrollaufnahme in spätestens einem Jahr. Fortsetzung folgt.

2 Kommentare

Hey, das ist ja mal interessant, ich wusste garnich das es SO viele Zysten gibt. Wenn ich jetzt nur noch wüsste, was mir die Bilder sagen sollten… Die hellen Streifen sind die Wurzeln? Aber was ist dann der ganz helle und warum hat der eine weiße Punkt keine?

Könnten auch verwackelte Digicam-Bilder bei Nacht sein. ;-)

[ 1 ]  Cator | 02.08.06, 02:52 Uhr

[...] Ein starkes halbes Jahr nach der Wurzelkanalbehandlung läßt sich der “Verdacht auf radikuläre Zyste 15″ weitgehend ausschließen. Die apikale Läsion ist zwar röntgenologisch noch gut erkennbar, im Vergleich mit den Ausgangsaufnahmen ist aber eine deutliche Tendenz zur Ausheilung nachvollziehbar. Der Beobachtungszeitraum bis zur endgültigen Beurteilung des Falles wird seitens der europäischen Gesellschaft für Endodontie mit vier Jahren angegeben – es bleibt dem mutmaßlichen Granulom also noch ausreichend Zeit, um sich vom Acker zu machen. [...]

[ 2 ]  Zahnblog » Zyste?-II | 07.04.07, 18:56 Uhr

Kommentar hinterlassen

* = Pflichtfelder, E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht